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Chronik des VDF

Dr. Max Kehren

Zur Chronik des "Vereins Deutscher Färber e.V"

Der Deutsche Färbertag in Mönchengladbach bietet eine willkommene Gelegenheit zu einer Rückschau auf den Werdegang eines Fachvereins, dessen Anfänge im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts im Osten des damaligen Reiches zu suchen sind. Leider sind sämtliche Dokumente aus der Gründungs- und Entwicklungszeit bei der Zerstörung des ehemaligen Leipziger Büros im Hause des Klepzig-Verlages am 4. Dezember 1943 durch Bombenangriff vernichtet worden. Für die Schilderung des Aufbaues und der allmählichen Entwicklung des "alten" Vereins waren wir auf die Erinnerungen eines Mitbegründers und späteren Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden, des am 27. Mai 1963 in Baden Baden verstorbenen Otto Schaffrath angewiesen, der diese zum Teil in einer kleinen, im Mai 1936 in Leipzig im Druck erschienenen Chronik niedergelegt und auf diese Weise dem Färbernachwuchs erhalten hat.

... die Kollegialität zu pflegen
Vorläufer unseres heutigen Vereins (Anmerkung: gemeint ist hier der VDF) waren Färbertage, die in den Jahren 1890 bis 1895 von Fachkollegen, in erster Linie vom Altmeister Eduard Höhne nach Guben, Kottbus, Sommerfeld und wieder Guben, später von anderen nach Luckenwalde, Görlitz und Berlin einberufen worden waren. Schon damals fanden sich in den genannten Städten aus den benachbarten großen textilen Industriebezirken begeisterte Färber in großer Zahl zusammen, um - wie es in der Einladung zur Berliner Tagung 1894 hieß - "die Interessen der Deutschen Färber zu wahren und zu fördern, die Kollegialität zu pflegen, alte Bekanntschaften zu erneuern und neue anzuknüpfen". Von Anfang an standen neben gesellschaftlichen Veranstaltungen Vorträge und Diskussionen bekannter Wissenschaftler und Fachleute auf dem Programm, von denen als zur damaligen Zeit besonders prominente Geheimrat Dr. Lehne, Berlin, Professor Dr. N. O. Witt, Charlottenburg, und führende Chemiker der jungen deutschen Farbenindustrie genannt werden sollen. Man kann ohne Ubertreibung sagen, daß schon damals der Grundstein zur späteren Bildung eines Vereins auf fachwissenschafticher Basis gelegt wurde.

1896: Thema "Wasserreinigung"
Eine Wende in der bisher geübten Taktik der Abhaltung von lokal begrenzten Färbertagen trat im Jahre 1896 ein, als auf dem Großenhainer Färbertag am 12. Juli die Gründung eines "Deutschen Färberverbandes" beschlossen wurde. Hier waren auf Einladung des Festkommitees - bestehend aus den Kollegen Johannes Hampe und Robert Böhme - im Hotel "Gesellschaftshaus" 200 Färber und Freunde der Färbersache versammelt. Diese als damals 8. Färbertag einberufene festliche Versammlung stand unter der Devise, "die Interessen der Färber zu wahren, ihre weitere Ausbildung zu fördern und Freundschaft und Geselligkeit zu pflegen". Neben drei Fachvorträgen über Wasserreinigung, über den neuen Farbstoff Naphthol LC und über die Hydrosulfitküpe, die eine lebhafte Diskussion entfachten, bot die wahrhaft glanzvolle Tagung ihren Besuchern auch noch gesellschaftliche Veranstaltungen.

206 Mark - Grundstein zum Vermögen
Das "Großenhainer Tageblatt" hatte schon in einem besonders herzlich gehaltenen Begrüßungsartikel dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß das Band, welches die Teilnehmer der seit 1890 vorausgegangenen sieben Tagungen nur lose umschlang, durch eine straff geführte Organisation fester geknüpft werden sollte. Und so wurde dann im Verlauf der im Hotel "Gesellschaftshaus" stattfindenden Tagung der Antrag des Stadtrates Böhme, Großenhain, zur Gründung eines allgemeinen Deutschen Färberverbandes einstimmig begrüßt und sofort zum Beschluß erhoben. Von den Anwesenden traten sofort 93 als Mitglieder bei und legten mit 206 Mark den Grundstein zu einem eigenen Vermögen. Den Vorstand übernahmen Altmeister Eduard Höhne, Färbereibesitzer aus Guben, Julius Stremler aus Forst und Fritz Wittkowski aus Kottbus. Nach einer Kranzniederlegung am neu erstellten Bismarck-Denkmal und einer Dampferfahrt auf der Elbe klang die geradezu historisch gewordene Großenhainer Tagung im illuminierten Garten des Festlokals langsam aus. Im Dezember des gleichen Jahres und im Mai 1897 fanden Sitzungen des neuen Vorstandes statt, auf denen die Verbandssatzungen aufgestellt wurden. Nach endlosen Diskussionen gelang dann auf dem in Kottbus stattfindenden 9. Färbertag wenigstens deren provisorische Annahme.

1900: 600 Mitglieder in 23 Ortsgruppen
Erst langsam ließ sich das in § 1 der neuen Satzungen herausgestellte allgemeine Ziel des neuen Verbandes verwirklichen, "alle Färber Deutschlands zu einer großen Vereinigung zusammenzufassen, um ihre gemeinschaftlichen gewerklichen Interessen zu vertreten und hierbei auch die Standesehre zu pflegen". Es wurde sogar ganz offen von einer gewissen Gleichgültigkeit der deutschen Färber gegenüber dem neuen Verein gesprochen, zumal noch verschiedene andere Färbemeister- und Färbevereinigungen, z.B. in Leipzig, Chemnitz und Crimmitschau zunächst weiter bestehen blieben und sich erst spater im Jahre 1900 dem großen Verband anschlossen. Zielbewußtes Streben im Vorstand, Delegiertentagungen, eigene Vortragsveranstaltungen in gutgeleiteten Ortsgruppen sowie vorbildlich organisierte Färbertage in den einzelnen Industriezentren führten dem Verein immer mehr Mitglieder und Freunde zu, so daß im Juli 1900 schon mehr als 600 Mitglieder in 23 Ortsgruppen gezählt wurden!

Im schönen, frohen Rheinland
Erst langsam gewann der im Osten des damaligen Reiches begründete Verband auch nach Westen Raum. Die Chronik berichtet von einer Verbandstagung im Mai des Jahres 1901 in Elberfeld, die mit einer Besichtigung der Farbenfabriken Bayer verbunden war, die sich schon in Leverkusen etabliert hatten. Von dieser Zeit an trafen sich die Färber des öfteren im schönen, frohen Rheinland zu Tagungen und Besichtigungen von industriellen Werken. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges fand zu Pfingsten 1914 in Düsseldorf - wie die Chronik schreibt "in wundervoller Harmonie" - ein großer Färbertag statt. Der bald darauf einsetzende Weltkrieg brachte eine jahrelange Unterbrechung des Vereinslebens, obwohl das Leben in den zahlreichen Ortsgruppen immer stiller wurde, blieben alle, wenn auch mit verminderter Mitgliederzahl, bestehen. Eine Abordnung des jetzt weit über 1500 Mitglieder zählenden Deutschen Färberverbandes beschloß am 10. Juni 1916 in Leipzig, "den Herrn Reichskanzler um eine Prüfung zu bitten, ob die geplante Ausfuhr von Farbstoffen nach Amerika im Werte von 50 Millionen Mark nicht die Interessen der inländischen Färberei schädigen würde". Als die Notzeit beendet war, fand Pfingsten 1919 in Leipzig die 1. Delegiertenversammlung nach dem Kriege statt.

Christian Stritzel: mit straffer Hand
In der Folgezeit blühte das Vereinsleben wieder auf, die Männer in den Vorständen und auch in der Führung des Verbandes wechselten häufiger, bis daß 1921 Christian Stritzel, Langenbielau, für eine Reihe von Jahren bis 1929 mit straffer Hand seine Geschicke leiten sollte. Ihm kommt das große Verdienst zu, den Verband vor dem Abgleiten in das gewerkschaftliche Fahrwasser bewahrt zu haben - er blieb, was er war, ein reiner Fachverband, der alle Glieder des Berufes - Besitzer und Angestellte, Praktiker und Wissenschaftler - umfaßte. Die Chronik berichtet, daß alle Ortsgruppen bemüht waren, sich nach der langen Kriegszeit und der verheerend wirkenden Inflation wieder finanziell auf einen festen Boden zu stellen.
Als Markstein in der Entwicklung unseres Verbandes (Anmerkung: gemeint ist der VDF) steht die mit einer Delegiertentagung verbundene Reichstagung der Färber in Leipzig, zu der Christian Stritzel Pfingsten 1927 eingeladen hatte. Dieser glanzvollen Tagung schlossen sich in den nachfolgenden Jahren weitere an, von denen hier nur die von Max Otto präsidierte Reichsfärbertagung 1931 in Berlin herausgestellt werden soll.

Liquidierung und Neugründung
Die durch den Übergang der Regierungsgewalt an die Nationalsozialisten eingetretene Wende im gesamten Vereinsleben ging auch an unserem Verband nicht ohne tiefgreifende Veränderungen vorüber. Nachdem zunächst Satzungsänderungen durchgeführt waren, die dem "neuen Geist" entsprachen, erfolgte auf der 1933 nach Berlin einberufenen Delegiertenversammlung die Übernahme der Führung des Verbandes durch Otto Schaffrath, der noch weitere sieben Kollegen in den Vorstand berief. Ihm und seinen Mitarbeitern ist das große Verdienst anzuerkennen, die Gleichschaltung, d.h. die Überführung des Deutschen Färberverbandes in die Deutsche Arbeitsfront m geschickter Weise verhindert zu haben. Das Jahr 1935 wurde insofern zu einem Schicksalsjahr in der wechselvollen Vereinsgeschichte, als eine Mitgliederversammlung in Leipzig einstimmig am 16.11. die Liquidierung und zur gleichen Zeit die Neugründung eines Vereins Deutscher Färber beschloß, der mit dankenswerter Unterstützung von Dr. E. Klahre als Fachgruppe dem Verein Deutscher Chemiker in Berlin angeschlossen und in die Reichsgemeinschaft der technisch-wissenschaftlichen Arbeit aufgenommen wurde. Eindeutiger konnte der technisch-wissenschaftliche Charakter unseres großen Fachverbandes nicht dokumentiert werden! Bis zum Ende des Krieges blieb die Leitung in Schaffraths Händen, der dann in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Weiterentwicklung des ihm anvertrauten großen Vereins auf dem Färbertag in Augsburg im Jahre 1956 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.

Württemberg überwand Schwierigkeiten
Wenngleich der Schwerpunkt des Vereins immer noch im Osten unseres Vaterlandes lag, so drängte doch langsam neben dem Westen auch der Süden zum Anschluß. In diesem Zusammenhang sei der Initiative der Kollegen aus Württemberg gedacht, die im August 1933 eine eigene Bezirksgruppe begründeten, wie die Chronik berichtet, "davon Zeugnis ablegend, daß sich der Verein Deutscher Färber immer mehr ausbreite und die deutschen Färber in diesem Industriegebiet um sich sammle". Direktor Ernst Lohmann, Oetlingen/Teck, war 1. Vorsitzender, zum 2. Vorsitzenden wurde Färbermeister Heinrich Over aus Süssen bestimmt und Kollege Julius Schrey zum 1. Schriftführer ernannt. Der Deutsche Färberverband begrüßte ganz offiziell diese Neugründung, um so mehr, da sie mit außerordentlichen Schwierigkeiten infolge der weiten Verzweigung des Bezirkes zu kämpfen hatte, die aber mit größtem Idealismus überwunden wurden!

1947: Neubeginn in Mönchengladbach
Es ist selbstverständlich, daß der unglückliche Verlauf des Krieges die Vereinstätigkeit nach und nach völlig zum Erliegen brachte, nachdem die Städte zerstört waren und ihre Bewohner die Heimat verlassen mußten. Nach ihrem Einmarsch untersagten die Alliierten jeglichen Zusammenschluß zu Vereinen und Verbänden, was aber nicht ausschloß, daß sich bereits im Jahre 1947 zunächst in Mönchengladbach im Westen und etwas später im Süden des besetzten Landes wagemutige Mitlieder des ehemaligen Färberverbandes zu zwanglosen Treffen zusammenfanden, die sich schnell zu regelmäßigen, einmal im Monat stattfindenden Stammtischabenden verwandelten. In Süddeutschland kam nach dem Krieg zuerst Württemberg-Nord unter Over wieder zu Leben. Im Jahre 1949 fand eine Wiedereröffnungssitzung in Ebingen-Tailfingen statt. Die Gruppe Bayern-Süd unter Domel kam im Jahre 1950 dazu. Nach allmählicher Lockerung des Vereinsverbotes wurde dann am 11. September 1948 in Mönchengladbach ein "Verein Niederrheinischer Färber e.V." ins Leben gerufen, dessen Satzungen am 11. Dezember des gleichen Jahres von einer Vollversammlung genehmigt und von folgenden Mitgliedern unterschrieben wurden: Heinrich Hops als 1 Vorsitzender, Eugen Seeger als Schriftführer, Willy Laveaux als Kassenwart, Max Haase als Beisitzer und von den alten Mitgliedern Dr.Max Kehren, Paul Titzka und August Manderfeld.

Nach demokratischen Prinzipien
Parallel zu diesen erfolgversprechenden Bestrebungen suchte sich bei Gelegenheit der Übersiedlung des Mitgliedes Dr. Karl-Heinz Möller-Klepzig aus dem Ostgebiet im Mai 1949 nach Düsseldorf der Vorsitzende des alten VDF Leipzig in die Neugründungsverhandlungen einzuschalten Dr. Möller-Klepzig war vom alten Vorsitzenden Otto Schaffrath eine notarielle Urkunde mitgegeben worden, derzufolge er durch ihn beauftragt wurde, den alten VDF im Westen neu aufzuziehen und nach Möglichkeiten selbst den Vorsitz zu übernehmen. Da aber Dr. Möller-Klepzig keinen Vorstandsposten anstrebte, suchte er zunächst in Kontakt mit den alten Bezirksgruppen zu kommen, was aber in der ersten Zeit nicht recht gelingen wollte. Erst nach Gründung einer eigenen Existenz in Düsseldorf trat er im Frühjahr 1950 mit Mönchengladbach in Verbindung, wo er später im Hause Heinrich Hops mit den Kollegen konferierte, welche das Gründungsprotokoll vom 11.11.1950 unterschrieben hatten. Dr. Möller-Klepzig hielt es damals nicht mehr für zeitgemäß, eine Übertragung des Leipziger Vereins auf Grund der notariellen Urkunde anzustreben, da man im Westen berechtigterweise nicht daran dachte, in der alten zentralistischen Art - auf die auch er selbst keinen Wert legte - den Verein wieder aufleben zu lassen. Dr. Möller-Klepzig setzte sich im Gegenteil immer wieder nach Kräften für eine Neugründung des Vereins nach demokratischen Prinzipien ein und hat auch später das Gründungsprotokoll in Mönchengladbach vom 11.11.1950 an vierter Stelle mit unterschrieben und an der endgültigen Formulierung der neuen Satzung mitgearbeitet.

Der neue Traditionsverein

Es bedurfte mehrjähriger Verhandlungen zur Beilegung der grundlegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorsitzenden des alten Verbandes und dem neugegründeten Verein, die aber endlich dank dem Verhandlungsgeschick und der energischen Führung der Besprechungen durch den Beauftragten Heinrich Muller, Augsburg, erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Erst dem Färbertag in Wuppertal 1955 blieb die Auflösung des alten Färbervereins bzw. sein Aufgehen in den neuen Traditionsvereinen vorbehalten. Entgegen allen Widerständen wurde der alte Verein am 26. Juli 1956 gelöscht, nachdem er genau 60 Jahre bestanden hatte.
Kehren wir wieder in die Gründungszeit des Vereins Niederrheinischer Färber zurück, der sich in Mönchengladbach etabliert hatte und dessen Geschäfte von einem rührigen Vorstand geleitet wurden.
Im Anschluß an die Gründung des neuen Vereins waren auch die süddeutschen Färber nicht untätig geblieben. In Augsburg wurde am 1. Juli 1950 die Bezirksgruppe Bayern-Süd ins Leben gerufen und Kollege Domel zum 1. Vorsitzenden bestellt. Vorher hatten sich schon die Bezirksgruppen Württemberg-Nord unter Heinrich Over und Württemberg-Süd mit Werner Deubert konstituiert. Der Gedanke eines engen Zusammenschlusses der jetzt bestehenden drei süddeutschen Bezirksgruppen mit dem Verein Niederrheinischer Färber lag nahe. Hauptträger der Wiedervereinigungsidee von Anfang an und uneingeschränkt waren die Kollegen Heinrich Müller, Heinrich Over und Werner Deubert.

1950: "Verein deutscher Färber"
Die Verhandlungen begannen mit einer Anfrage aus Mönchengladbach, zu einer für den 8. Juli 1950 in Plochingen anberaumten Sitzung der süddeutschen Vorstände einen Delegierten, den Beisitzer des Niederrheinischen Vorstands, Max Haase, entsenden zu dürfen. Dieser Bitte wurde entsprochen. Es bestand kein Zweifel darüber, daß schon vor dieser Sitzung sowohl am Niederrhein wie auch in Süddeutschland völlige Einigkeit über die Gründung eines Gesamtvereins unter dem Namen "Verein Deutscher Färber" herrschte. Am 11. November 1950 fand eine stark besuchte außerordentliche Generalversammlung des Vereins Niederrheinischer Färber e.V. in Mönchengladbach statt, der ja als einziger Rechtspersönlichkeit besaß. Diese Versammlung war gleichzeitig auch rechtlich gesehen die Gründungsversammlung des neuen "Verein Deutscher Färber e.V., Sitz Monchengladbach". Eugen Seeger wurde einstimmig zum damals alleinigen 1. Vorsitzenden und ebenso einstimmig Dr. Karl-Heinz Möller-Klepzig zum ehrenamtlichen Geschäftsführer gewählt. Eine neue Satzung wurde genehmigt. Darin war u.a. die neue Institution der Delegiertenversammlung enthalten, die an die Stelle des erweiterten Vorstandes in der alten Leipziger Satzung trat. Die Eintragung erfolgte am 17. Mai 1951 in das Vereinsregister mit einem Nachtrag vom 3. Dezember 1951, aus dem die Bestätigung der Wiedergründung auf dem 1. Deutschen Nachkriegsfärbertag vom 16./17. Juni 1951 in Konstanz hervorging.

Neugründung früherer Gruppen
Eugen Seeger konzentrierte zunächst seine Arbeit auf die Neugrundung bzw. den Anschluß früherer Gruppen wie Hessen, Bergisch Land, Bayern-Nord, Rhein-Ruhr usw. In der Zeit seines Vorsitzes umfaßte der Verein insgesamt 20 Bezirksgruppen. Zu den bereits 1950 bestehenden vier Bezirksgruppen (Niederrhein, Württemberg-Nord und Württemberg-Süd sowie Bayern-Süd) gesellten sich ab 1950 die folgenden Bezirksgruppen:

 

 
Gründungsdatum
Bezirksgruppe Bayern-Nord
Bezirksgruppe Pfalz
Bezirksgruppe Oberberg
Bezirksgruppe Bergisch-Land
Bezirksgruppe Eifel
Bezirksgruppe Südbaden
Bezirksgruppe Hessen
Bezirksgruppe Berlin
Bezirksgruppe Nord
Bezirksgruppe Rhein-Ruhr
Bezirksgruppe Münsterland
Bezirksgruppe Hansa
Bezirksgruppe Niedersachsen
Bezirksgruppe Teutoburg
Bezirksgruppe Franken
Bezirksgruppe Emsland
Bezirksgruppe Bodensee
9.5.1951
?.?.1951
24.10.1951
17.11.1951
15.1.1952
26.4.1952
24.5.1952
15.11.1952
21.3.1953
13.5.1953
13.11.1954
8.9.1956
6.10.1956
8.12.1956
26.1.1957
16.3.1957
26.1.1963

Gesellschaftliche Zusammenkünfte
So verfügte der Verein Deutscher Färber mit dem Sitz in Mönchengladbach nach und nach über rund 2000 Mitglieder und Förderer; unter der tatkräftigen Leitung von Eugen Seeger hat nicht nur die Mitgliederzahl ständig zugenommen, sondern die einzelnen Bezirksgruppen trugen auch dem eigentlichen Charakter des Vereins als einem technisch-wissenschaftlichen Fachverband durch regelmäßige Veranstaltungen von Vorträgen, Diskussionsabenden und Besichtigungsfahrten immer mehr Rechnung. Der Schulung des Nachwuchses wird durch Einladung der jungen Kollegen und Studierenden der Ingenieurschulen zu Vortragsabenden und festlichen Veranstaltungen mannigfaltiger Art besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Farben- und Hilfsmittelfabriken stellen in großzügiger Weise ihre Fachleute für Referate auf dem Gesamtgebiet der Textilveredlung zur Verfügung, wodurch die Mitglieder über alles Neue in der Textilveredlung ausreichend und rechtzeitig orientiert werden.

Wiederbeginn 1951 in Konstanz
Nach 16 Färbertagen des alten Vereins, von denen genau die Hälfte in den Industrieorten des östlichen Deutschlands abgehalten wurden, fand der erste der Nachkriegszeit unter großer Beteiligung vom 15. bis 17. Juni 1951 in Konstanz am Bodensee statt. Die Organisation dieses großen Färbertreffens bot ungeahnte Schwierigkeiten, die aber durch den tatkräftigen Einsatz der Gruppe Württemberg-Nord, insbesondere der Kollegen W. Fuchs und H Merbold, erfolgreich gemeistert wurden. Es folgten die Färbertage in Neustadt an der Weinstraße vom 13. bis 16. Juni 1953 und in Wuppertal vom 10. bis 13. Juni 1955.
Der vom 12. bis 16. Juli 1956 in Augsburg ausgerichtete Jubiläums-Färbertag war durch mehrere für das Vereinsleben bemerkenswerte Begebenheiten besonders gekennzeichnet. Hier wurde endgültig zum 26. Juli 1956 die bereits vorher erwähnte Löschung des alten Vereins beschlossen und dessen langjähriger 1. Vorsitzender Otto Schaffrath wegen seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zur gleichen Zeit übernahm Heinrich Müller den zur Entlastung des 1. Vorsitzenden neugeschaffenen und mit der Führung der Kassengeschäfte gekoppelten 2. Vorsitz im Hauptverein. Außerdem wurde die seit Februar 1952 für das Hauptsekretariat tätige, bewährte Frau Gertrud Peters in ihrem Amt bestätigt und der Geschäftsstelle in Düsseldorf als Sekretärin zugeteilt.

Abschied von Eugen Seeger
Auch die Färbertage der nachfolgenden Jahre überboten sich geradezu in der Zahl der Teilnehmer und der geschickten Aufstellung ausgezeichneter Programme, so daß wegen der Unterbringung von meist weit über 1000 Angemeldeten nur Tagungsorte gewählt werden konnten, die für sich oder in der nächsten Umgebung mindestens 1000 Betten zur Verfugung stellen konnten. Alle Schwierigkeiten wurden aber dank dem rührigen Einsatz der zuständigen Organisationskommitees behoben, so daß der Ablauf der Tagungen vielfach als geradezu glanzvoll bezeichnet werden konnte.
Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die zweite Periode der großen Färbervereinigung in der westdeutschen Bundesrepublik eine außerordentlich erfreuliche Entwicklung nahm - als Ende 1958 plötzlich und unerwartet der 1. Vorsitzende des Gesamtvereins, Eugen Seeger, starb. Der Hauptvorstand, alle Verbände der einzelnen Bezirksgruppen und eine fast unübersehbare Zahl von Färbern und Freunden gaben kurz vor Allerheiligen dem Toten das letzte Geleit zu seiner Ruhestätte auf dem alten Friedhof in Rheydt.

Neue Impulse: Heinrich Müller - Dr. Max Kehren
Trotz des schweren Verlustes durch das allzu plötzliche Ausscheiden des 1. Vorsitzenden aus seinem Amt mußte die Vereinsarbeit weitergehen. Nachdem der 2. Vorsitzende, Heinrich Müller, den ihm angebotenen 1. Vorsitz aus beruflichen Rücksichten nicht annahm, den 2. Vorsitz aber behalten wollte, trat man auf Initiative des Geschäftsführers Dr. Möller-Klepzig und mehrerer Herren der Farbenindustrie an den an der Textilingenieurschule und in der ihr angeschlossenen Textilprüfanstalt zu Mönchengladbach langjährig tätigen Herrn Dr. Max Kehren heran. Nach anfänglichem Zögern erklarte sich dieser dann auch zur Übernahme des 1. Vorsitzes im Hauptvorstand unter der Bedingung bereit, daß bis zu seiner Wahl und seinem Eintritt in den Vorstand der 2. Vorsitzende Heinrich Müller den so schnell verwaisten Posten versehen sollte. Auf der Delegiertentagung in Wiesbaden 1959 wurde Dr. Kehren einstimmig gewählt und übernahm am 1. März 1960 aus den Händen Heinrich Müllers die Leitung des in der Zwischenzeit von ihm vorbildlich geführten Vereins Deutscher Färber mit einer Mitgliederzahl von 1800.

Technisch-wissenschaftlicher Verein
In den folgenden Jahren wurden neben der Intensivierung des Vortragswesens innerhalb der einzelnen Bezirksgruppen auch die Beziehungen zwischen in-und ausländischen Fachverbänden aufgenommen bzw. weiter ausgebaut. Die gegenseitige Anteilnahme an den großen Tagungen der Fachvereine stärken den Zusammenhalt, geben die vielseitigen Möglichkeiten eines fruchtbaren Meinungsaustausches und dienen so der allgemeinen Hebung des aktiven Färberstandes auf das unter den heutigen veränderten Umstanden unbedingt notwendige wissenschaftliche Niveau.
So wird dann auch der 1896 aus kleinen Anfangen heraus von weitblickenden Färbern ins Leben gerufene und nunmehr 96 Jahre (Anmerkung: der Artikel stammt aus dem Jahr 1992) bestehende "Verein Deutscher Färber e.V", heute mit dem Sitz in Mönchengladbach, unter der Führung tatkräftiger Männer und Fachkollegen in Hauptvorstand und in den Vorständen der Bezirksgruppen seine anerkannte Stellung als technisch-wissenschaftlicher Fachverein innerhalb der an Bedeutung immer mehr anwachsenden Textilveredlungsindustrie behaupten und immer weiter ausbauen.